Schlaraffia und Gotha

Über 150 Jahre Geschichte – und ein neues Kapitel beginnt

📜 Auf einen Blick: Gotha war eine der frühesten Schlaraffia-Städte in Deutschland. Zwei Reyche wurden hier gegründet, ein Stammtisch hielt die Tradition am Leben. Jetzt wird diese Geschichte fortgeschrieben.

Gotha und die Schlaraffia – eine besondere Verbindung

Die Residenzstadt Gotha – Sitz des Herzogs von Sachsen-Gotha, Heimat des Gothaischen Hofkalenders, Stadt der Kartografie, der Versicherungen und der Kultur – war im 19. Jahrhundert ein Zentrum bürgerlichen Geisteslebens. Hier trafen sich Künstler, Gelehrte und Kaufleute, hier wurde debattiert, musiziert und gelacht.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Schlaraffia – jene 1859 in Prag gegründete Gemeinschaft für Humor, Freundschaft und Kunst – auch in Gotha Fuß fasste.

🏰 Reych Nr. 28 – „Gotaha"

In den 1870er Jahren gründeten Gothaer Bürger das Schlaraffenreych Nr. 28 – „Gotaha". Damit gehörte Gotha zu den frühesten Schlaraffia-Städten überhaupt. In einer Zeit, als die Schlaraffia gerade erst begann, sich über den deutschsprachigen Raum auszubreiten, hatte Gotha bereits sein eigenes Reych.

Die Nummer 28 zeigt: Gotaha war das 28. Reych weltweit. Vor München, vor Hamburg, vor vielen anderen Städten, die heute als Schlaraffia-Hochburgen gelten. Gotha war Pionier – und das sagt viel über den kulturellen Geist dieser Stadt.

🦉 Was bedeutet die Nummer? Jedes Schlaraffenreych erhält bei seiner Gründung eine fortlaufende Nummer. Nr. 28 bedeutet: Gotaha war das 28. Reych der Welt. Heute gibt es über 200 Reyche – Gotha war von Anfang an dabei.

📖 Reych Nr. 155 – Die zweite Gründung

Die Stürme der Geschichte – zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – brachten viele Schlaraffenreyche zum Erliegen. Doch die Schlaraffia überlebte, weil echte Freundschaft immer einen Weg findet. Auch in Gotha wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneut ein Reych gegründet – Nr. 155.

Diese zweite Gründung war kein Zufall. Sie war ein Beweis dafür, dass der Geist der Schlaraffia in Gotha nie wirklich erloschen war. Wo einmal echte Gemeinschaft geblüht hat, wächst sie wieder – wenn die richtigen Menschen zusammenfinden.

🍽️ Vom Stammtisch zum stolzen Reych

Was einst als Stammtisch in Gotha begann, wuchs über die Jahre zu etwas Größerem: Aus dem Stammtisch wurde ein Feldlager, dann eine Colonie – und schließlich das stolze Reych Zu den drey Gleichen (432). Der Geist der Schlaraffia hatte in Thüringen erneut feste Wurzeln geschlagen.

Doch Sachzwänge – vor allem die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten – führten zu einer Umsiedlung nach Arnstadt. Gotha blieb dennoch nicht nur im Herzen und im Namen: Gotha ist weiterhin unsere Heimat.

Das Projekt ReychWeite der Schlaraffia in Thüringen soll dazu beitragen zu eruieren, ob sich wieder ein Ort für Humor in Gotha finden lässt. Temporär oder dauerhaft – das wird die Zeit jetzt zeigen. Wir sind bereit.

Bis zu einer endgültigen Rückkehr finden die regelmäßigen Treffen in Arnstadt weiter statt – und zusätzlich Treffen in Gotha.

🔥 2026 – Ein neues Kapitel

Die Geschichte der Schlaraffia in Gotha ist nicht zu Ende erzählt. Im Gegenteil: Sie bekommt ein neues Kapitel. Offene Tafelrunden im Format ReychWeite sollen Menschen in Gotha wieder zusammenbringen – zum Lachen, zum Reden, zum Genießen. Nicht als museales Relikt, sondern als lebendige Tradition, die in die Gegenwart passt.

Gotha hat es verdient, dass seine Schlaraffia-Geschichte weitergeht. Und die Menschen in Gotha haben es verdient, dieses einzigartige Erlebnis kennenzulernen – oder wiederzuentdecken.

Teil der Geschichte werden

Schreiben Sie das nächste Kapitel mit. Lassen Sie sich vormerken – wir informieren Sie, sobald es losgeht.


Die Wiege: Prag, 1859

Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.

Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.

Das Spiel breitet sich aus

Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten: Wien, Berlin, Hamburg, München – und eben auch Gotha, als eines der frühesten. Mit der deutschen Auswanderungswelle wanderte die Schlaraffia in die Neue Welt: New York, Buenos Aires, São Paulo.

Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte

Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg. Während in Europa manches Reych pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter.

Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss

Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Gotha sofort zuhause wäre. Die Allschlaraffia hält etwas aufrecht, das selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking.


Geschichte der Schlaraffia in Arnstadt

Im Thüringischen Arnstadt gab es schon einmal schlaraffisches Leben. Das Arnoldia-Kollegium wurde 1888 gegründet und hatte Verbindungen zum Arnoldi-Gymnasium in Gotha. Anfang der 1890er Jahre schloss es sich der Schlaraffia-Bewegung an. Es gab einen Versuch, in Arnstadt einen eigenen Verein namens Arnestadia zu gründen, der jedoch nach Gesprächen mit der Praga verworfen wurde – stattdessen integrierte man sich in die Gotaha (28).

Die erste Gotaha (28)

Am 04.02.1881 gründete Albert Eilers (Rt Graf Gleichen) gemeinsam mit fünf Theatermitgliedern das Reych Kyborgia in Gotha. Später wurde es in Kyborgia-Gotaha umbenannt, bis 1882 die Trennung in eigenständige Reyche in Coburg (27) und Gotha (28) vollzogen wurde. Die Gotaha hatte insgesamt etwa 108 Mitglieder und erlebte glanzvolle Stiftungsfeste. Ab 1891 ging die Aktivität zurück, und am 8.5.1895 wurde die Gotaha gestrichen.

Die zweite Gotaha (155)

Im Januar 1904 trafen sich einige Kyborgia-Mitglieder im Deutschen Hof in Gotha. Am 5. Oktober 1904 begann das Leben der neuen Gotaha. Die Gründungsbewilligung erfolgte im Oktober 1905, die Sanktionierung im April 1907. Die zweite Gotaha wuchs auf bis zu 47 Mitglieder (1926). Am 24.02.1912 fand eine Sippung mit über 100 Gästen im Schlosshotel statt. Im Januar 1937 wurde die Schlaraffia in Deutschland verboten. Nach dem Krieg blieben nur noch zwei ehemalige Mitglieder in Gotha übrig.

Neubeginn: Schlaraffia Gotha und Arnstadt e.V.

Der heutige Verein Schlaraffia Gotha und Arnstadt e.V. knüpft an die reiche Tradition beider Städte an. Wir treffen uns jeden 1. und 3. Montag im Monat um 19:30 Uhr in der Gaststätte Schellhorn, Ritterstr. 3, 99310 Arnstadt.